11.11.2009 00:21

Islandpferde sind sehr zuverlässig

Tiere haben ein ausgeglichenes Naturell

Von Gabriele Schmidt von Arndt Isernhagen F.B. Geduldig stehen die Pferdchen am Rand der Hauptstraße, beobachten den Verkehr und warten ab. Die Reiter, die mit den Tieren vom Hof von Sylvia Vietgen kommen, stehen daneben. Es wirkt, als wüssten die Tiere genau, wann sie endlich losgehen dürfen, um die viel befahrene Straße zu überqueren. Das ausgeglichene Naturell haben sie aus ihrer isländischen Heimat mitgebracht. Über viele Jahrhunderte waren die Islandpferde das einzige Fortbewegungsmittel auf der Insel. Die Bewohner mussten sich blind auf ihr Pferd verlassen können und vertrauten ihm im Notfall sogar ihr Leben an. Die große Zuverlässigkeit, der einwandfreie Charakter, die schnelle Auffassungsgabe und die Trittsicherheit des Islandpferdes machten es zum unverzichtbaren Partner. Der Tölt, die vierte Gangart des Isländers, ermöglicht ein bequemes und ermüdungsfreies Reiten über lange Strecken. Vor etwa 50 Jahren erlebte das Islandpferd einen Export-Boom speziell nach Deutschland. Spitzbübisch, kinderfreundlich, immer gut gelaunt, fix und allzeit bereit, aber auch ein ernst zu nehmender Partner im Leistungssport. Die vierte Gangart, der Tölt, wirkt elegant, mühelos und wird in stolzer Haltung präsentiert, der Reiter schwingt erschütterungsfrei mit. Der fünfte Gang, der Rennpass ist Energie pur. Er wird nur über kurze Strecken geritten, entfaltet aber eine enorme Kraft, das Pferd scheint fast zu fliegen. In dieser Gangart werden Weltrekorde erzielt. Über die klassische Distanz von 250 Metern (mit stehendem Start) liegt die beste Zeit bei 21,10 Sekunden. In Deutschland gilt der Isländer als Ponyrasse. Die Bezeichnung Islandpony war bis in die achtziger Jahre üblich, wurde aber durch die Bestrebungen des Züchterverbandes und manch erwachsener Reiter, die nicht mehr als Ponyreiter gelten wollten, durch das besser klingende Wort Islandpferd ersetzt.

 

Sylvia Vietgen erfüllt sich einen Traum

Die Isernhagenerin ist erfolgreich in der Isländerpferde-Zucht und im Turniersport

Laut einer Statistik der FEIF, der internationalen Vereinigung der nationalen Islandverbände, gibt es weltweit mehr als 195?000 Islandpferde. Deutschland ist nach Island das größte Zuchtgebiet mit rund 60??000 Pferden. Zwölf davon leben als Schulpferde auf dem Islandpferdegestüt Farster Hof an der Hauptstraße 10. Dazu kommt eine große Anzahl von Einstellponys, die die frei lebende Herde komplettieren. Sylvia Vietgen ist die Hofchefin und bewirtschaftet zusammen mit ihrer Mutter Marlies die Anlage. Offenstall- und Robusthaltung mit ganzjährigem Weidegang wird großgeschrieben. Eine Reithalle mit Originalmaßen von 20 mal 40 Metern und Reiterstübchen sowie ein geschlossener Longierzirkel runden das Bild ab. Auf der anderen Straßenseite befindet sich der Außenreitplatz mit einer 250 Meter langen Ovalbahn. Vor ungefähr acht Jahren erfüllte sich Vietgen ihren Traum, kaufte zwei Isländer, pachtete den Hof, dann kamen Schul- und Turnierpferde dazu und ihr Name wurde zu einer festen Größe in der Isländerzucht und im Turniersport. Sie besitzt die Lizenz als IPZV-Trainer B und unterrichtet mit Kollegin Elke Behrens Anfänger, Fortgeschrittene, Kinder, Jugendliche und Erwachsene bis hin zum Rentenalter sowie Turnierreiter. Mit ihrer zwölfjährigen Schimmelstute Osk vom Märchenwald hat sie schon viele erste Plätze in Tölt- und Rennpassprüfungen belegt. Islandpferde sind ein Partner für Jung und Alt, und auch für Menschen, die sich noch im fortgeschrittenen Alter einen Kindheitstraum erfüllen wollen: Der bequeme Tölt der Isländer belastet Wirbelsäule und Bewegungsapparat kaum, sodass auch Orthopäden ihren Patienten „einen Isländer verschreiben“ würden.